Tourismus im Griff des Coronavirus

07.02.2020 - Tourismus im Griff des Coronavirus

Ein Hüsteln eines Passagiers an Bord aufgrund einer saisonalen Grippe löst am Flughafen Zürich bereits den Pandemie-Plan aus. Dieser Zwischenfall auf einem Swiss-Flug von Anfang Woche versinnbildlicht, wie nervös die Tourismusbranche auf das neu auftretende Coronavirus reagiert. Die ganze Lufthansa-Gruppe hat, wie viele andere Airlines, ihre Flüge von und nach Peking und Shanghai nun bis Ende des Monats eingestellt, Hongkong ist interessanterweise nicht gestrichen. Der deutsche Erlebnisreiseveranstalter Chamäleon hat gar alle China-Reisen bis Anfang Mai abgesagt, DER Touristik Deutschland bietet sogar kostenlose Stornos von Thailand-Reisen an.

China mag mit der Abriegelung von Wuhan, wo das Virus herkommt, richtig reagiert haben, schürte mit diesem Vorgehen aber auch viele Ängste. Um eine Massenpanik zu verhindern, rief die Weltgesundheitsorganisation WHO zu Recht nur zögerlich die internationale gesundheitliche Notlage aus. Ein unbekanntes Virus, das geruchlos und unsichtbar ist und damit nicht greifbar: Da sind Ängste verständlich. Ob sie berechtigt sind, sei dahingestellt. Nach den neusten Erkenntnissen ist das Sterblichkeitsrisiko mit dem Coronavirus geringer als mit einer saisonalen Influenza, die in der Schweiz jedes Jahr zu mehreren hundert Todesfällen führt. 

Tourismusunternehmen tun sicher gut daran, der Kundschaft entgegenzukommen und Buchungen auf Wunsch gratis zu annullieren. Flüge zu stornieren und Reisen abzusagen, sendet hingegen ein völlig falsches Signal. Knapp 30'000 Corona-Fälle meldet das Bundesamt für Gesundheit weltweit. An Malaria erkranken jährlich 200 Milionen Menschen. Es wird die Kunden kaum beruhigen: Aber das Risiko, auf einer Afrika- oder Asien-Reise an Malaria zu erkranken, ist um ein Vielfaches höher.

Edita Truninger, travel inside